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Aachener Dom


52062 Aachen

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Der älteste Teil und Kern des Aachener Doms, der ein architektonisches Konglomerat aus den verschiedensten Perioden christlicher Baukunst bildet, ist die Pfalzkapelle Karls des Großen. Sie ist ein Bau von 31 m Höhe und etwa 32 m im Durchmesser. Vorbild für diese Kirche waren oströmische Kaiserkirchen in Byzanz und im Mittelmeerraum. Vor allem die Kirche San Vitale in Ravenna aus dem 6. Jahrhundert hat Karl beeindruckt. Jedoch entstand in Aachen kein direkter Nachbau, sondern ein eigenständiges Gebäude.

Der Bau
Als Karl d. Gr. um 800 herum seine Pfalz in Aachen baute, von der die Kapelle heute noch steht, konnte er auf keinerlei heimischer Tradition aufbauen und zog Handwerker aus aller Herren Länder des südlichen Raumes (maurische Kunst) zusammen, um zum ersten Mal auf deutschem Boden ohne jede Vorbereitung einen groß angelegten, anspruchsvollen Steinbau zu verwirklichen.

Innenraum
Als Karl d. Gr. um 800 herum seine Pfalz in Aachen baute, von der die Kapelle heute noch steht, konnte er auf keinerlei heimischer Tradition aufbauen und zog Handwerker aus aller Herren Länder des südlichen Raumes (maurische Kunst) zusammen, um zum ersten Mal auf deutschem Boden ohne jede Vorbereitung einen groß angelegten, anspruchsvollen Steinbau zu verwirklichen.


Innenraum [Bearbeiten]Das innere Oktogon wird durch starke Pfeiler gebildet, auf welchem ein achteckiges, den Mittelraum überdeckendes Klostergewölbe liegt. Um dieses innere Oktogon herum läuft ein 16-seitiger, mit niedrigen Kreuzgratgewölben versehener Umgang, über dem sich, die Empore bildend, eine hohe Galerie befindet. Diese wiederum wird von schräg liegenden Tonnengewölben überdeckt und ist nach innen mit karolingischen, bronzenen Gittern geschlossen. Über den Galeriebogen erhebt sich ein achteckiger Tambour mit Fensteröffnungen, auf welchem das Kuppelgewölbe ruht.

Das Oktogon war nach seiner Fertigstellung rund 400 Jahre lang der höchste Kuppelbau nördlich der Alpen.

Die Säulen, welche die Zwischenräume der Galerieöffnungen schmücken, sind meist antik und stammen aus Italien. Karl der Große ließ sie Ende des 8. Jahrhunderts aus Rom und Ravenna, möglicherweise aber auch aus antiken Bauten Kölns (St. Gereon oder Praetoriumspalast) auf Ochsenkarren nach Aachen schaffen. Heute sind nur noch wenige antike Säulen vorhanden, da die Säulen während der französischen Besetzung des Rheinlands ausgebrochen und nach Paris geschafft wurden. Bis auf einige derzeit im Louvre verbaute Säulen kamen sie 1815 zurück nach Aachen, wurden aber erst in den 1840er Jahren wieder eingebaut. Dabei wurden zahlreiche Säulen unter anderem aus Assuan-Granit neu hergestellt.

Dieses karolingische Oktogon wurde in den neunziger Jahren des 8. Jahrhunderts nach byzantinischen Mustern begonnen. Baumeister war der Franke Odo von Metz, aber auch zahlreiche römische und byzantinische Handwerker wirkten an dem Bau mit. Die Pfalzkapelle Kaiser Karls des Großen war über 200 Jahre lang nördlich der Alpen in ihrer Höhe unübertroffen.

Besonders wirkungsvoll ist die Harmonie des Gebäudes. Sie ist begründet in einem auf biblischen Maßzahlen (50, 100 und 12×12=144) unter Verwendung antiker Architekturtheorie (Vitruv) beruhenden Maßsystem, durch das dieses Kirchengebäude in besonderer Weise zu einem Bild des Zeltes Gottes unter den Menschen und in seiner Gleichheit von Höhe, Länge und Breite vor allem des himmlischen Jerusalem wird.

Im Oktogon befindet sich der Radleuchter (Kronleuchter), der so genannte Barbarossaleuchter (1165 / 1170), eine Stiftung Kaiser Friedrichs I und seiner Frau Beatrix. Die 48 Kerzen des Leuchters werden an kirchlichen Hochfesten angezündet.

Der gotische Chor, anschließend an das Ostjoch des karolingischen Umgangs, wurde zwischen 1355 und 1414 als gläserner Reliquienschrein für die Aachener Heiligtümer und die Gebeine Karls des Großen gebaut. Der gotische Chor (25 m Länge, 13 m Breite, 32 m Höhe) ist mit seinen mehr als 1.000 Quadratmetern Glasfläche ein wahres „Glashaus“.

Westlich vor dem Oktogon steht ein Glockenturm, durch eine Steinbrücke mit jenem verbunden und flankiert von zwei runden (karolingischen) Treppentürmen.

Karl der Große und Otto III. sind im Aachener Dom beigesetzt. Die Gebeine Karls des Großen werden im Karlsschrein aufgebahrt sein. Diese bedeutende Goldschmiedearbeit des Mittelalters befindet sich heute in der gotischen Chorhalle.

Seit 1238 findet die Aachener Heiligtumsfahrt statt, eine Wallfahrt, bei der die Reliquien des Doms von den Gläubigen besichtigt werden können. Diese Reliquien befinden sich im Marienschrein (1220 – 1239), der sich im vorderen Teil der Chorhalle befindet. Bei den Reliquien soll es sich angeblich um die Windel(n) und das Lendentuch Christi, das Marienkleid und das Enthauptungstuch Johannes des Täufers handeln. Seit 1349 findet diese Wallfahrt in einem Turnus von sieben Jahren statt; die letzte Aachener Heiligtumsfahrt war im Jahr 2000 und stand unter dem Motto „Jesus Christus, gestern, heute, in Ewigkeit“.

Wie die gesamte Innenstadt von Aachen war auch der Dom in den Jahren des Zweiten Weltkriegs Angriffen der britischen Luftwaffe ausgesetzt. Durch die Gründung der Domwache konnte das Gebäude jedoch gerettet werden. Schwere Beschädigungen am gotischen Langhaus und die Zerstörung der Glasfenster konnten jedoch nicht vermieden werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Fenster u.a. durch den Glaskünstler Anton Wendling neu gestaltet. Die abstrakten Seitenfenster stellen in ihrer Ornamentik einen Lichtvorhang dar, der zeigt, wie das Licht vom Himmel – als symbolischer Sitz Gottes – zur Erde kommt.

Der Aachener Dom wurde 1978 mit seinem Kunstschatz als erstes deutsches Denkmal in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Aber schon im Mittelalter wurde er bewundert und nachgeahmt, so etwa im Essener Dom, dem Alten Turm in Mettlach, oder in der elsässischen Abteikirche Ottmarsheim.

Das Westwerk
In Aachen tritt zum ersten Mal auf deutschem Boden eine Bauform auf, die mit dem Turmgedanken eng zusammenhängt: das Westwerk, zumindest eine Vorform davon. Ob Aachen schon das bietet, was man später unter dem Begriff »Westwerk« versteht, kann bestritten werden, denn ein Westwerk ist an eine andere Kirche angebaut, und das war Aachen ursprünglich nicht. Insofern gilt nach wie vor der Satz, dass das älteste Westwerk in Corvey steht.

Die Westwerk treten nur in Verbindung mit Klosterkirchen auf und sie liegen an dem Ort, an dem ansonsten ein Westchor oder eine Fassade gestanden hätte. Ein Westwerk ist so etwas wie eine angebaute eigene Kirche - ursprünglich eine des Kaisers -, ein mehrgeschossiger Sakralbau mit eigenem Altar, liturgisch selbständig und innen an einer Seite geöffnet, also mit dem Langhaus der Kirche verbunden. Am Außenbau ist ein solches Westwerk hervorgehoben durch einen von seitlichen Treppentürmen begleiteten Mittelturm. Das ist die Vorstufe der späteren Doppelturmfassaden.

Ein Westwerk ist innen immer zweigeschossig um einen quadratischen Raumschacht herum angeordnet, der außen als Turm in Erscheinung tritt und das hat für die nordeuropäische Architektur weitreichende Konsequenzen. Man könnte auch sagen, ein Westwerk sei ein quadratischer Turm, der innen in seiner Mitte wie ein Treppenhaus geöffnet ist, das in halber Höhe eine umlaufende Empore hat, und dass sich dieser Turm mit seiner Empore an einer Seite dem Kirchenschiff öffnet.

Die Tradition eines solchen Westwerk beginnt hier mit dem Aachener Münster des 8. Jhs., dem Bau Karls d. Großen. Eine ältere Theorie behauptet, dass von hier aus der Herrscher im erhobenen ersten Geschoss von seinem Thronsessel aus dem Gottesdienst folgen konnte, ohne seinen eigenen liturgischen Bereich zu verlassen, man könnte auch sagen: ohne sich zum Abhängigen des Priesters zu machen. Diese Ansicht wird aber teilweise heute bezweifelt.

Im Gegenteil wird in einem Westwerk mit seinem bollwerkartigen Charakter eher der Schutz der Kirche betont, also die Souveränität des Kaisers über den Priester, der ja damals auch von ihm eingesetzt wurde. Das Westwerk blieb auch den mehr weltlichen Angelegenheiten vorbehalten, die die aktive Teilnahme des Herrschers erforderten, vor allem juristischen Handlungen wie beispielsweise Gerichten (Sendgerichte; Bandmann, Günter: Mittelalterliche Architektur als Bedeutungsträger. Berlin [1951] 6. Auflage 1979, S. 208). Hier klingt in der Architektur jener das ganze Mittelalter durchziehende Antagonismus zwischen geistlicher und weltlicher Herrschaft an.

Und in diesem Zusammenhang spielt auch die Farbe eine Rolle. Spätestens seit den Ausgrabungen von 2003 wissen wir, dass der Aachener Dom einst in einem kräftigen Rot erstrahlte. Am Kernbau sind Reste des einstigen Putzes gefunden worden. Die Bauforscherin Ulrike Heckner vom Rheinischen Amt für Denkmalpflege sagte im Oktober 2003: „Wir haben zum ersten Mal nachweisen können, dass der Dom großflächig verputzt war.“ Die Färbung sei durch die Beigabe von rotem Ziegelmehl in den Mörtel erreicht worden. Kräftiges Rot ist eine kaiserliche und imperiale Farbe. Reste dieses Putzes haben die Fachleute bei ihrer Bestandsaufnahme von rund 60.000 einzelnen Steinen am Kernbau gefunden (Kölner Stadtanzeiger vom 28. Oktober 2003, S. 8).

Dieses erste Geschoss eines unabhängigen Westwerkes war von den Treppentürmen her zugänglich, die daher zusammen mit dem Turm das charakteristische Signum eines solchen Westwerkes ausmachen. Der Kaiser hatte seinen Thron also auf dem ersten Geschoss. Die Außenseite des Aachener Doms zeigt an dieser Stelle eine architektonische Betonung besonders durch eine turmartige Überhöhung, die gegenüber dem dahinter liegenden Zentralbau hervorgehoben ist.

„An der dem Zentralbau vorgelegten Westfront wird die 7,86 m breite und 20,17 m hohe Muldennische vor der offenen Eingangshalle durch einen Rundbogen auf vorgetretenen Pfeilern gerahmt, deren Kämpfer die Gurtgesimse der runden Flankentürme fortsetzen. Deren oberer Abschluss wie auch die Überhöhung des zwischen den Türmen liegenden Mittelraumes ist unbekannt. In diesem Raum enden die Wendeltreppen.“ (Binding, Günther: Deutsche Königspfalzen von Karl dem Großen bis Friedrich II. (765-1240). Darmstadt / Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1996, S. 82)

Hier müssen zwei Aspekte unterschieden werden. Auf der einen Seite wird das alte Triumphbogenmotiv aufgegriffen in der große Nische mit dem Portal und dem Fenster zusammen mit der torartigen Umrahmung. Aber der darüber gesetzte Turm stellt eine völlige Neuerung dar. Diese Verbindung von Eingang, Fassade und Turm zu einer neuen Einheit bildet die „Grundlage für den wesentlichsten, selbständigsten Beitrag des Nordens zum Kirchenbau, für die Doppelturm- und für die Einturmfassade“ (Adam, Ernst: Vorromanik und Romanik. Frankfurt 1968, S. 8) und noch die grandiosen Türme des Kölner Domes, des Ulmer Münsters oder der Kathedrale von Chartres gehen als Bauvorstellung auf diese erste Version des Turmthemas in Aachen zurück.

Die weitere architektonische Entwicklung sah dann in kurzen Worten folgendermaßen aus: Die aus dem hier formulierten Westwerk-Gedanken entstandene Doppelturmfassade ist in Deutschland, wo sie um 1000 herum - gemeinsam mit Burgund - entstanden ist, seltsamerweise aber nicht weiterentwickelt worden, sondern in Frankreich, von wo aus sie nach Deutschland in der Gotik zurückkam. Deutschland blieb lange bei den Doppelchoranlagen, wobei sich das ehemalige Westwerk zu einem gegliederten Westchor wandelte und dem Ostchor als eigene Baugruppe polar gegenüberstand.

Gleichzeitig ist das Westwerk das kaiserliche Gotteshaus. Von karolingischer Zeit an standen die Orte, in denen ein Westwerk nachweisbar ist, mit dem Kaiserhof in engster Verbindung. Der Kaiser, der im frühen Mittelalter keine feste Residenz hatte, nahm oft kürzeren oder längeren Aufenthalt in Klöstern. Vom Westwerk aus, so ist anzunehmen, nahm er kraft seines Amtes erhöht am Gottesdienst teil. Diesem Verhältnis liegt die Auffassung vom sakralen Charakter des Herrscheramtes zugrunde, also die Vision einer Einheit von geistlicher und weltlicher Macht - bzw. die Vorstellung, dass irdische Macht von Gott eingesetzt ist.

Die Aufstellung des Herrschersitzes auf der Westempore geht auch auf byzantinische Tradition zurück, die vorbildlich für Aachen wurde und von da aus für Mittel- und Osteuropa. Es sind auch zahlreiche Fälle von Verbindungsgängen belegt, die aus den oberen Wohngemächern der anliegenden Bauten zu einer solchen Westempore führten, was die besondere Verbindung des Westwerks zur kaiserlichen Wohnung unterstreicht.

In der Westempore ist ein Altar zu Ehren des heiligen Erzengels Michael anzunehmen. Ihm hätten dann in den Seitenemporen Altäre zu Ehren der Erzengel Gabriel und Raphael entsprochen. Allerdings ist die Verwendung der Räume des Westwerk auch für manche Zwecke nachzuweisen, die wohl auch maßgebend für seine Entstehung waren, etwa als Empore für Knabenchöre, als Sendgerichtshalle oder als Pfarrkirche.

Es ist kein Widerspruch, im gleichen Bauwerk Hinweise in verschiedener Richtung zu erblicken, so dass sich also verschiedene Bedeutungen überschneiden. Der Außenbau des Westwerks verbindet sowohl Erinnerungen an ein Stadttor als auch an einen Triumphbogen. Im Innern spielen die Funktion eines Herrschersitzes eine Rolle als auch die der Engelverehrung. Der einschiffige Raum des Langhauses erinnert an einen antiken Thronsaal, in der Aufstellung eines siebenarmigen Leuchters wird an den alten Tempel erinnert usw. Man darf also nicht fragen, welche dieser Bedeutungen denn nun richtig ist. Sie sind hier zusammen wirksam.

Quelle: http://www.wikipedia.de